Erbstreit vermeiden

Erbstreit in der Familie – leider keine Seltenheit und doch immer noch ein Tabu, über das man nicht gerne spricht. Doch kann man diesen Streit überhaupt vermeiden? Die wichtigsten psychologischen und rechtlichen Antworten.

Steht einem mehr zu, wenn man die Eltern gepflegt hat?

Wer eine Pflegeleistung erbracht hat, soll nach § 2057 a BGB einen Ausgleich bekommen – das ist der Plan. Die Höhe des Ausgleichs ist jedoch nicht festgelegt. Oft ist es sehr schwierig, eine Lösung zu finden. Verbunden ist das häufig mit einer entwürdigenden Beweislage, in der offengelegt wird, wie die Pflege im Detail aussah. Diese Regel tritt jedoch nur in Kraft, wenn die gesetzliche Erbfolge eintritt. Liegt ein Testament des Erblassers vor, gilt dieses. Auch dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass der Erblasser einen Letzten Willen verfasst.

Wie soll man sich verhalten, wenn Schwester oder Bruder mehr bekommen als man selbst?

Aus rechtlicher Sicht muss man es dulden, sofern der Pflichtteil (siehe 1x1 des Erbens) gewahrt wird. Dafür gibt es die Testierfreiheit des Erblassers, der mit seinem Vermögen tun kann, was er will. Wenn Kinder im Testament unterschiedlich behandelt werden, ist das für den Einzelnen bitter, aber häufig spielt bei diesen Überlegungen der Eltern eine Rolle, wer ihrer Meinung nach z.B. ein Geschäft am besten weiterführen kann oder wer selbst Kinder bzw. weitere Erben hat, damit das Aufgebaute erhalten bleibt. Nicht selten fühlt sich da der Benachteiligte verkannt und/oder von den Geschwistern hintergangen. Verzicht fällt schwer und bohrt immer weiter. Eifersucht und Neid beherrschen die Atmosphäre. Das kann eine Familie zerreißen. Deshalb sollte man versuchen, zu einer gütlichen Einigung zu kommen oder loszulassen. Wer sich daran festklammert, dass er ungerecht behandelt wurde, schadet sich auf Dauer selbst und wird schlimmstenfalls sogar krank.

Wie kann man zu einer Versöhnung kommen?

Wer sich streitet, geht zum Anwalt. Möglicherweise zum Gericht. Dort spielt Emotion keine Rolle, dabei ist Erben vor allem eine emotionale Angelegenheit. Bei Gericht wird der Konflikt auf eine Rechtsebene gehoben, was gut ist: Sachlichkeit statt Wut, Hass und Empfindlichkeit. Oft muss etwas richterlicher Druck ausgeübt werden, sonst bewegt sich überhaupt nichts. Aber die Ursache wird dort nicht geklärt. Persönliche seelische Verletzungen bleiben außen vor. Ein Richter muss im Rahmen der Gesetze entscheiden, die für ihn selbst oft nicht befriedigend sind. Da kommt es auch vor, dass der eigene Wunsch nach Gerechtigkeit nicht immer erfüllt wird und der der Konfliktparteien auch nicht. Gute Anwälte versuchen, außergerichtlich eine Lösung anzustreben. Eine gute Sache ist auch die Mediation, bei der eine Einigung erzielt werden soll, was oft – aber nicht immer – gelingt. Versöhnungen sind prinzipiell immer möglich.

Was kann eine Mediation zur Konfliktlösung beitragen?

Der Mediator ist ein unparteiischer Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Wer ihn aufsucht, muss willens und bereit sein, alles darzulegen und eine Einigung herbeizuführen. Dabei wird erörtert, wie es zu diesem Streit kam, wer welche Vorbehalte hat und warum. Es kommt darauf an: Warum willst du dies oder jenes unbedingt? Nur wenn man offen miteinander umgeht, können irrationale Verdächtigungen beendet werden. Der Mediator ist bemüht, einen Ausgleich zwischen den Parteien herbeizuführen und die Bedürfnisse jedes Einzelnen zu klären. Er unterliegt der Schweigepflicht und kann vor Gericht nicht als Zeuge auftreten. Das Ergebnis einer erfolgreichen Mediation kann per Vertrag notariell beurkundet werden. Pro Stunde werden im Durchschnitt zwischen 100 und 300 Euro berechnet. Je schneller man sich einigt, desto weniger kostet es. Man hat es also selbst in der Hand.

Was kann man tun, wenn ein Erbstreit zu einer großen psychischen Last wird?

Wenn einen der Erbstreit so beschäftigt, dass man an nichts anderes mehr denken und nachts nicht mehr schlafen kann, wenn der Körper rebelliert und die Stimmung sofort kippt, wenn das Thema zur Sprache kommt – dann sollte man sich therapeutische Hilfe suchen. Denn über längere Zeit ist so ein Zustand unerträglich und kann Depressionen verursachen. Manche Menschen sind so verzweifelt, dass es mitunter sogar zu Kurzschlusshandlungen kommt. Seinen Ärger kann man meist auch gut bei einer Mediation verarbeiten. Das ist wichtig, um seine Lebensqualität wiederzuerlangen.

 

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