Sterbebegleitung

5 Phasen für Angehörige

Wenn bei Vater, Mutter, Partner, Freunden die letzten Wochen und Tage beginnen, geraten auch Angehörige in einen Strudel aus Mitgefühl, Angst, Ohnmacht: Wie begleitet man jemand beim Sterben? Wie kann man helfen? Wann muss man loslassen? Wie erkennt man, dass der Zeitpunkt gekommen ist, um sich zu verabschieden?

Jeder Mensch ist einzigartig

Auch im Sterben

Wie eine Wendeltreppe, so ist auch der Weg vom Leben in den Tod. Oft dreht man sich im Kreis und doch kommt man dem Ziel näher. Immer wieder gibt es Stufen der Hoffnung, zum Atemholen oder Kraftschöpfen, aber auch Stufen tiefer Verzweiflung und Hilflosigkeit. Niemand wüsste das besser als Corinna Woisin, die in Hamburg ein Hospiz leitet, und Daniela Tausch, die als Psychologin viele Sterbende und Angehörige begleitet hat. Beide haben erfahren, dass jeder Mensch – im Sterben wie auch zuvor im Leben – einzigartig ist. Und doch gibt es fünf Phasen, die Sterbende und Angehörige gemeinsam durchlaufen. Phasen, die nicht überall gleich lang oder intensiv sind. Fünf Phasen, die jeder kennen sollte, weil es dem Sterben etwas von seinem Schrecken nimmt.

Nicht-wahrhaben-Wollen

Die erste Phase
Nicht-wahrhaben-Wollen

Es ist immer ein Schock, wenn jemand erfährt, dass er unheilbar krank, das Ende absehbar ist. Dann kommen häufig Zweifel: „Vielleicht wurden die Röntgenbilder vertauscht.“ „Eine Fehldiagnose!“ Oft folgt danach die Flucht in die Einsamkeit, dann wieder der abrupte, verzweifelte Versuch, ein Stück Normalität zu leben. Wie lange noch?

Entsetzen, Verwirrung, Angst – das sind Gefühle, die auch für Angehörige schwer zu bewältigen sind. Wichtig ist dann: dem Kranken das Gefühl geben: „Du bist nicht allein, ich bin ganz nah bei dir, ich kann zuhören oder gemeinsam mit dir schweigen.“ Halten Sie sich mit gut gemeinten Ratschlägen zurück. Drücken Sie lieber Hoffnung aus: „Es kann sein, dass die Natur noch keine Entscheidung getroffen hat, positive Wunder gibt es immer wieder!“

Eine 74-jährige Frau beschreibt diesen Moment so: „Als wir erfuhren, dass mein Mann unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, erstarrten wir, schüttelten den Kopf, verloren plötzlich all unsere Worte. Der Arzt verließ das Zimmer. In dieser entsetzlichen Stille hörten wir von der nahen St.-Martins-Kirche die Glocken 12 Uhr schlagen. In dieses Geläut sprach ich das Vaterunser. Irgendwie hat es uns geholfen, sodass wir endlich weinen und uns umarmen konnten. Und dann flüsterte mein Mann: ,Aber vielleicht hat sich der Arzt geirrt!‘“

 

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