Gebärmutter entfernen
90% der OPs sind überflüssig
Jede dritte Frau steht irgendwann vor dieser Entscheidung, meist nach den Wechseljahren: Ihr Frauenarzt rät, die Gebärmutter zu entfernen. Bevor Sie in diese OP einwilligen, sollten Sie die nächsten Seiten lesen.
Barbara Vorbrodt 
© RainerSturm / pixelio.de
Die Gebärmutter geht dann gleich mit raus. Das ist so üblich, die brauchen Sie ja nicht mehr.“ Barbara Vorbrodt erinnert sich noch genau an die Worte ihres Frauenarztes. Die 69-Jährige war wegen eines Blasenvorfalls zu dem Gynäkologen gegangen und wusste, dass man das mit einer Operation gut behandeln kann. Dass dabei aber auch die Gebärmutter entfernt werden sollte, damit hatte die Musikpädagogin nicht gerechnet. Als sie die Praxis wenig später verlässt, ist sie verunsichert, denkt aber, „wenn der Arzt dazu rät, muss es wohl das Richtige sein“.
Doch genau das stimmt leider nicht. Rund 150.000 Frauen in Deutschland geht es jedes Jahr ähnlich wie Barbara Vorbrodt, weil Frauenärzte bzw. Chirurgen empfehlen, die Gebärmutter zu entfernen – Ärzte nennen die OP Hysterektomie. Rund 130.000 Frauen folgen dem Rat. Oft, weil sie es nicht besser wissen. Dabei zählt die Entfernung der Gebärmutter zu den überflüssigsten Operationen überhaupt und hat oft extrem belastende Nebenwirkungen wie Blasen- und Darm-Störungen, massive sexuelle Unlust, Schmerzen bis hin zu starken Depressionen (siehe nächste Seite).
„Dabei könnten bis zu 90 Prozent der Frauen ihre Gebärmutter behalten“, sagt Dr. Barbara Ehret-Wagner, Gynäkologin in Bad Salzuflen. Ihr Hamburger Kollege Dr. Claus Moeller von der Tagesklink Altona bestätigt das: „Der Eingriff wird viel zu häufig gemacht, obwohl es bessere und schonendere Alternativen gibt.“ Er beobachtet: „Vor allem ältere Kollegen sind oft noch der Meinung, die Gebärmutter ist überflüssig, sobald für Frauen die Familienplanung abgeschlossen ist.“ Moeller zeigt, dass es anders geht. Seine Klinik hat sich auf Gebärmutter-Operationen spezialisiert, bei denen das Organ erhalten bleibt (siehe auch Übersicht Seite 50). „Im Prinzip gibt es nur einen Grund, bei dem die Gebärmutter wirklich entfernt werden muss“, erklärt die Frauenärztin Ehret-Wagner: „Bei Krebs in den Eierstöcken oder der Gebärmutter selbst.“ Auch bei extrem starken und schmerzhaften Monatsblutungen ist die Entfernung manchmal das Einzige, was hilft. „Doch Krebs und Blutungen sind nur bei 10 Prozent der Anlass zur Entfernung“, weiß Ehret-Wagner.