Wäre ich doch früher zum Arzt ...

Viele Krankheiten wie Diabetes oder Herzmuskelschwäche sind tückisch, weil sie keine Beschwerden verursachen. Durch Vorsorge kann man diese früh erkennen, wenn man diese nutzt.

Diabetes nicht erkannt

»Und plötzlich bist du für immer krank«
Diabetes nicht erkannt
Diabetes nicht erkannt

Den größten Schock meines Lebens erlebte ich vor genau sechs Jahren. „Sie sind zuckerkrank“, sagte mein Arzt. Genauer: Sie haben Diabetes Typ 2. Im Volksmund wird dies auch Alterszucker genannt. Dabei fühlte ich mich überhaupt nicht alt. Und mit 47 war es nach meinem Empfinden auch eindeutig zu früh für eine solche Diagnose. „Kopf hoch, Millionen Deutsche haben das Gleiche“, sagte der Arzt noch. Konnte das ein Trost sein? Für mich brach wirklich eine Welt zusammen. Diabetes! Ich hatte schon zu viel darüber gehört, wusste, wie schwer die Komplikationen sein können: Nervenschäden, offene Beine, Amputationen, Nierenprobleme, hoher Blutdruck, Herzinfarkt, Impotenz, sogar blind kann man durch Diabetes werden! Würde mir dies alles blühen? Ich sah mich an der künstlichen Niere liegen oder als Pflegefall im Rollstuhl sitzen. Auf jeden Fall fürchtete ich, viel zu früh zu sterben. Das konnte doch, das durfte einfach nicht sein.

Und ich ärgerte mich. Ich hätte viel früher zum „Check-up ab 35“ (siehe Kasten nächste Seite) gehen sollen. Dabei wird auch gezielt im Blut nach den ersten Anzeichen von Diabetes gesucht. Das ist wichtig, denn früh genug erkannt, kann man die Krankheit stoppen und die Folgeschäden an Nerven, Augen und Blutgefäßen verhindern. Doch ich, typisch Mann, stand immer auf dem Standpunkt: Ich gehe nur zum Arzt, wenn ich richtig krank bin, nicht einfach so. Vorsorge, Früherkennung – ich doch nicht.
So bekam ich die Diagnose Diabetes auch erst, als ich mich wegen ernsthafter Sehstörungen zum Besuch beim Augenarzt aufraffte. Ich konnte in letzter Zeit immer schlechter gucken, dachte, das wird wohl die beginnende Alterssichtigkeit sein. Doch mit dem Alter hatten meine Sehprobleme nichts zu tun. Der Augenarzt sah bei seiner Untersuchung kleine, fettartige Ablagerungen an den Blutgefäßen meiner Netzhaut. Typisch bei Diabetikern, meinte er, und riet: „Gehen Sie schnell zum Internisten.“
Der Hausarzt stellte nicht nur viel zu viel Zucker im Blut fest. Auch die Cholesterin- und Blutdruckwerte waren mies. Sogar meine Haut sah er sich genau an – viel zu trocken, sagte er. Und: „Alles typische Folgen von jahrelang schlechten Zuckerwerten. Warum sind Sie nicht schon viel früher zu mir gekommen?“
Ich war dermaßen erschüttert von diesen Ergebnissen, dass ich in ein tiefes Loch fiel. Ich und chronisch krank, und das schon seit Jahren? Das konnte, das durfte einfach nicht sein! Wochenlang lief ich gebückt durch die Welt. Ich wollte das alles nicht: diszipliniert essen, kein Bier mehr trinken, regelmäßig Sport treiben – und vor allem, täglich in den Finger stechen, um meinen Zucker im Blut zu messen. Mir womöglich sogar noch eines Tages selbst Insulin in den Bauch spritzen. Nein, so macht das Leben doch keinen Spaß!
Schließlich bin ich doch aufgewacht, auch durch meine Freundin, die mich immer unterstützt hat. Sehr geholfen hat mir die vom Arzt empfohlene Schulung für Diabetiker. Dort habe ich nicht nur gelernt, wie man sich den Blutzucker misst. Ich gestehe, es ist mir immer noch unangenehm. Ich habe dort auch viel über gesundes Essen und Trinken gelernt; weiß jetzt, wie ich trotz Diabetes lecker essen kann, ohne meine Gesundheit zu ruinieren; weiß, was Vitamine, Kohlenhydrate und Broteinheiten sind; weiß, dass ich ohne schlechtes Gewissen auch mal Süßigkeiten essen oder ein Bier trinken darf. Aber ich muss dar-über nachdenken, was ich tue; muss die Belastung für meinen Körper berechnen und entsprechende Medikamente nehmen. Und ich muss mich einfach mehr bewegen.
Und heute? Heute geht es mir so weit gut. Meine Zuckerwerte sind für einen Diabetiker in Ordnung. Doch immer wenn ich meine Brille aufsetze, erinnert mich das daran, dass ich mir das alles hätte ersparen können, wenn ich früher zum Arzt gegangen wäre. Dann wäre ich heute noch gesund.

 

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